Wort zum Freitag - Vertrauen


Wem darf man vertrauen? Anfangs weiss man es nicht, vertraut instinktiv
den Eltern. Aber schon hier kann man stolpern. Einem gewalttätigen
Vater, einer heroinsüchtigen Mutter vertrauen zu müssen, diese Bürde
ist manchem Kind auferlegt, und kein Wunder zerreist es die einen,
stählt es die anderen.

Menschen zu vertrauen, das muss man als Kind manchmal nicht wegen,
sondern trotz ihrer Taten. Dabei sollten die Taten es sein, die ein
Vertrauensverhältnis entstehen oder zerbrechen lassen.

Was gibt dem Bankangestellten eine vertrauenswürdige Ausstrahlung, was
der Zahnärztin? Nicht der schicke Anzug oder der weisse Kittel sind es,
sondern Zuverlässigkeit und gute Arbeit. Keine Gelder veruntreuen,
nicht besoffen zur Zahnoperation antreten, so viel braucht es ja nicht,
rechtschaffen zu sein und zu bleiben. Und trotzdem gibt es unter den
Menschen unbequemere Ausnahmen.

Ein Pfaffe oder ein Imam, hat der mehr Vertrauen verdient, nur weil er
vorbetet und predigt? Doch kaum. Und doch trauen und folgen gewisse
Leute ohne es zu hinterfragen Hasspredigern und Boten der Intoleranz
wie Fred Phelps oder Anjem Choudary.

In der heutigen Welt ist es schlicht nicht einfach zu wissen, wem man
vertrauen darf. Tausende Jugendliche vertrauten der Firma Snapchat
Fotos von ihren Genitalien zur Übermittlung an, in der Hoffnung,
Snapchat sei vertrauenswürdig, denn die Firma warb genau mit dieser
Behauptung. Doch Snapchat hatte gelogen über seinen Umgang mit den
Daten der Nutzenden, die Bilder waren im Netz aufgetaucht. Nur zu
behaupten, man sei vertrauenswürdig, macht es also nicht so. Die
Behauptung muss auch einer Überprüfung standhalten.

Unser Gehirn hat nicht umsonst die Form eines köstlichen
Udonnudel-Gerichts: Das Monster hat uns mit einem Denkorgan in seinem
eigenen Abbild ausgestattet, damit wir damit abwägen können. Selber,
ganz allein, ohne Vorkauen! Das müssen wir nutzen!

Genau wie unser nudliger Erschaffer ist unsere Schaltzentrale aber
nicht immer zuverlässig. Täuschen wir uns oder werden wir mutwillig
getäuscht, so bleibt uns nur, aus den Fehlern zu lernen und das nächste
Mal vorsichtiger zu sein.

Vertrauen ist wie ein Spinnennetz; als Konstrukt sehr stark, aber jeder
einzelne Faden ist empfindlich, jede Befestigung muss regelmässig
überprüft werden, nur so kann sich die Spinne darauf verlassen. Reissen
zu viele Fäden, bricht alles zusammen.

Darum überprüft stets alle Karabiner, rüttelt an allen Seilen. Und
hofft auf das Monster, dass es euch dabei nicht paranoid werden lässt.

RAmen!

 

Geschrieben von Bruder Lasanius

 

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